Die Kultur 2020

in der Corona-Krise

 

Das Konzert muss

nun zu Hause statt finden

Gastredaktion: Friederike Klett

 

 

Die Corona-Pandemie ist noch nicht besonders alt, trotzdem kommt es vielen bereits wie eine Ewigkeit vor. Seitdem hat sich auch für den Alltag in Deutschland einiges geändert, und neben der Angst vor der Krankheit, steht auch die Furcht vor dem Verlust der Existenz oder den finanziellen Einbußen.

 

Besonders betroffen von dieser Situation sind dabei die ca. 1,6 Millionen Kulturschaffenden, die es in Deutschland gibt. Jegliche Art der Veranstaltungen wie Konzerte, Lesungen, Theateraufführungen oder Kabarett-Auftritte müssen nun entfallen. Die Freischaffenden, die normalerweise von ihren Gagen für Auftritte leben, können daher kaum noch Geld verdienen. Jedoch auch die Verlage, Theaterhäuser und Veranstalter stürzt dies in eine tiefe finanzielle Krise. Außer Frage steht dabei selbstverständlich die Einhaltung dieser Auflagen, denn Gesundheit geht vor und die Überlastung der Krankenhäuser hätte noch verheerendere Folgen für das ganze Land.

 

Illustration von © Raimund Schemmel

 

In Franken betrifft dies zum Beispiel die Theater. In Nürnberg werden alle bereits gekauften Karten automatisch storniert und das Geld zurückerstattet, in Bamberg können die Tickets gegen einen Gutschein umgetauscht werden oder gleich gegen den Eintritt für eine spätere Aufführung. Bei vielen Veranstaltungen steht die Entscheidung zwischen beiden Möglichkeiten frei, wobei es oftmals eine Unterstützung für die Betreiber und auch die Kunstschaffenden sein kann, wenn von einer Rückerstattung des Geldes abgesehen wird. Stattdessen ist es möglich sich auf die Veranstaltungen zu freuen, wenn diese Krise überstanden ist. Sicherlich werden Erleichterung und die Freude wieder unter Menschen zu sein, raus zu gehen und Kultur live zu erleben, zu einer regelrechten Aufbruchsstimmung führen.

 

Denn auch für die Zuschauer ist die Situation schwierig. Die meisten von uns erleben zum ersten Mal eine Situation, in der die Möglichkeiten derart begrenzt sind. So ist der Auftritt des Komikers Serdar Somuncu in Nürnberg bereits ausgefallen, wie auch die Aufführung von Yesterday – The Beatles Musical oder lokale Unikate, wie der Spaziergang mit dem Erlanger Nachtwächter, um nur wenige Beispiele zu nennen.

 

Die Zeit kann jetzt auch genutzt werden, um sich die Filme anzuschauen, die schon lang auf der Wunschliste standen oder die Bücher zu lesen, die seit Jahren unberührt im Regal stehen. Viele kleine Buchgeschäfte liefern zurzeit auch bis an die Haustür, wodurch diese an Stelle von Internetgiganten unterstützt werden könnten. Auch entfallen viele kleine Konzerte, bei denen Musikrichtungen ganz neue Zuhörer und -seher erreichen könnten und das gemeinsame Erleben der Kultur, das ja ebenfalls ein Teil dieser ist, fehlt vielleicht noch mehr. Es entfällt das aufbauende Gefühl, dem Alltag zu entfliehen. Besonders für einsame Menschen und allein lebende Singles kann das eine schwere Belastung sein.

 

Aber wie viel schlimmer wäre all das, ohne die heutigen Möglichkeiten? Das Theater Bamberg veröffentlicht täglich kleine vom Ensemble produzierte Videos unter ETA@HOME auf ihrer Website und den Social-Media-Kanälen, außerdem wurden einige Aufführungen auf YouTube hochgeladen. Das Theater Erlangen bietet einen Videochat mit dem Ensemble unter dem Titel Gerüchteküche online an, zu dem man sich per E-Mail anmelden kann. Im Portal Broadcast Bamberg werden nun Inhalte von kleinen und lokalen Künstlern angeboten, wobei alles zwischen Kleinkunst und Hochkultur dabei ist und auch Einblicke in Werkstätten und Ateliers sind dafür geplant. Solche Projekte zu unterstützen kann jetzt helfen, dass kleinere Künstler über diese Phase nicht vergessen werden. Oder sogar besser: sie könnten jetzt eine noch größere Reichweite bekommen und wenn es wieder möglich ist, noch mehr Publikum bei ihren Auftritten begrüßen.

 

Vielleicht ist es so auch möglich Neues kennen zu lernen, jetzt da viele mehr Zeit haben als sonst. Das Angebot, das man sich über den Bildschirm nach Hause holen kann, ist riesig. Die Kultur lässt ihr Publikum nicht im Stich, deshalb sollten wir nun für die Kultur da sein, wie zum Beispiel das Philharmonische Orchester des Landestheaters Erlangen, das 2000 Euro an die Deutsche Orchesterstiftung für freiberufliche Kulturschaffende gespendet hat.